Himmelfahrt 2006 > BASTARD

 

 

… startet mit einer Diskussion in Berlin: Felix wollte mitkommen. Auf die Frage, „willst du mit segeln gehen“ setzte eine heftig bejahende Kopfbewegung ein und ein „mmmmh“ geäußert. Nun lasse ich meinen Felix wirklich nur ungern zuhause und zugeben, ja: er ist Miteigner und männlich. Also prädestiniertes Crewmitglied. Nur währe er dabei gewesen, das Jugendamt Dänemarks hätte ihn wohl vor uns weggesperrt. Nein, eigentlich ist das auch Quatsch, wir haben eine gemütliche Männer-Runde ohne den üblichen Meilenstress von etwa 110 sm absolviert. Und dabei keinen einzigen Tonnen-Ziel-Havana getrunken. Das kann so gesehen auch nicht gesund sein.

 

Der Reihe nach:

Alles startet wieder einmal aus meinem Blickwinkel in Berlin. Schmidti hat einen Informatik Mathias im Schlepp, der sich dann aber doch als ein MaTThias und absolut seh- und seetauglich erwies. 23.15 Uhr Abfahrt in Berlin, nachdem der Segelkeller noch nach Gummistiefeletten für Herrn Schmidt durchsucht wurden. (welche er höchst selbst unter dem Waschbecken in der Pantry staute, um sie dann auf hoher See nicht mehr zu finden und doch wieder in Turnschuhen den Warnemünder Molenkopf passiert (ich diagnostiziere hier einen Turnschuh-Fetisch, Anm.d.R.) Ankunft Rostock, Ortsteil SVTR gefühlt 4.30 Uhr, in Wahrheit etwa 1.30 Uhr. Hier findet eine direkte Törnvorplanung in üblich verdächtiger Runde statt. Herzlichen Glückwunsch, geht es denen gut. Die S.Y. UNIVERSITAS war zu diesem Zeitpunkt längs auf See und hat was auf die Backe bekommen, wie wir später erfuhren; sportlich, sportlich.

 

25. Mai 2006, Donnerstag: Nachtruhe gegen Sonnenaufgang (was noch öfter geschehen sollte …), ich weiß nicht, wie spät es war, konnte die Uhr ja nicht mehr erkennen. Ausschlafen *lach* „AUSSCHLAFEN“. Ich dachte, ich alter Sack fahre mit jungen Sportlern auf Himmelfahrtstour – denkste, senile Bettflucht haben die... Naja, egal, Schiff einräumen und ABFAHRT! Also fast Abfahrt, erst suchen wir 30 Minuten Gummistifel a´la Schmidti

 

 

Dann folgt das Übliche. Segel setzen und ab in Richtung Warnemünde. Ein Schrei erfasst das Boot. Wir haben unser Grillfleisch im SVTR Kühlschrank vergessen. Umdrehen. Nein. Schön Halbwind, Sonne, Wind flaut nach dem Überseehafen ab und erste Ausreff-Überlegungen werden formuliert. Jan und Steffen lernen aus Fehlern. Bei Schmidti (noch immer keine Gummistiefel an den Füßen) kann man sich da nicht so sicher sein. Wahrscheinlich ist Schmidti ein Angeber und dachte sich: lass uns mal direkt zwischen den Molenköpfen vor 342 Anglern auf die Backe packen. Am besten, während die Fähre einläuft. Aber schließlich sind wir ein demokratisches Schiff, lassen das Reff drin und ab geht es korrekt getakelt auf See. Immer der Nase lang nach Gedser. BASTARD läuft fantastisch etwas spitzer als Halbwind rüber über den Teich. Der Himmel ist Furcht erregend duster (hinter uns) und wir fahren in einen kleinen blauen Himmelsstreifen rein.

 

„N3287687365uzitr54u7i65487rehgwiresjkhfseliuewzfo7wi4zto4875643095814ourqhwzeirjfwherfsfkjdshfkesfbjdsalgis.ghsdiugerztrute97846t54387965403987543toiuew4zthwrkjefheirutawezstiuew476zte483756z4“

 

Hierbei handelt es sich um einen verschlüsselten Wetterbericht unseres Wochenendes. Wir wollen niemanden, der sein Wochenende nass in Deutschland verlebte, traurig stimmen. Oder gar wütend auf seinen Steuermann, doch nicht mit Kurs Nord rüber gefahren zu sein. Ich sage mal codiert nur so viel: dniW + ennoS. 

 

Eine düstere Wolke jedoch verfolgt uns, sie ist ein Tiefdruckgebiet unserer Gefühle. Sie trägt den Namen „Grillfleisch“. Psychologische Betreuung wäre nötig. Aber wir haben einen Hoffnungsschimmer: Titania – Jörg. Er hat eine aktuelle Einladung auf die BASTARD per Fähre nach Gedser. Voraussetzung ist lediglich ein kleines Mitbringsel aus dem SVTR Kühlschrank.

 

 

26. Mai 2006, Freitag: In Gedser schüttet es aus Kannen und die Kühe fliegen über den Deich. Kurz kommt Zweifel auf: was machen wir eigentlich hier? Jörg hat das wohl geahnt. Jedenfalls weit und breit von ihm nichts in Sicht. Die Diesel-Heizung ballert. Regen-Konferenz mit der S.Y. „BUK“ vom ASVzR, die in der Guldborgsund-Einfahrt mittels dänischem Rettungsdienst, gesteuert von MRCC Bremen, vom Shit gezogen werden musste. Ein Anruf beim Guldborgsund Brückenwart gibt Gewissheit: BASTARD passt da nicht durch. Mögliche Alternativen sind unattraktiv. Also ausgiebigst frühstücken und dann der Schrei: Sonne! Wind nimmt ab, wir verabreden uns mit dem Turbine/SVTR H-Boot „Fun–Factory“ in Hesneas. Bei lecker sideshore, Sonne und Abdeckung geht es die Falster-Küste entlang. Höhe Gedser-Odde > Gedesby „verfolgen“ uns Tümmler. Der alte Walfänger, Herr Nielson, entdeckt die Schweinswal-Familie. Sommer Urlaubsgefühle pur.

Nach einem spektakulären Hesneasfahr von hinten rückwärts in die Box“ Anlegemanöver, positioniert sich die Crew auf der Mole, um in Teilen ankommenden Schiffen beim Festmachen zu helfen, hauptsächlich aber, um auf jeden Festmacher anzustoßen. Es folgte ein üppiges Hackstäbchen-Bratkartoffel-Mahl, sonst überlebt man ja solche Anleger nicht. „Fun-Factory“ wurde an die BASTARD gebunden und überredet, die Küche kalt zu lassen. Nach dem obligatorischen Spaziergang empfindet Schmidti, dass der Mond heute komisch aussieht. Herr Schmidt: es ist bereits Sonnenaufgang, egal ob Du den durch die Taucherbrille oder das Glas Havanna-Club betrachtest… gute Nacht.

 

27. Mai 2006, Samstag: BASTARD frühstückt als letztes Schiff. Komisch, sind alle schon unterwegs. Naja egal, mal Wetter ansehen: ups. Umlaufend, später nix mehr. Dafür morgen bis 10 Bft hoch im gesamten Seegebiet. Na ob wir das brauchen? Das schüttelt den Havanna Vorrat nur unnötig durcheinander. Vielleicht sollten wir mal los.

Kurz nach dem Auslaufen folgen sich gefährlich gleichende Serien von Funkgesprächen jener Art: „Segelyacht XYZ, Segelyacht XYZ, Segelyacht XYZ, für Zollboot USEDOM, bitte kommen…Wo kommen Sie her, wo wollen Sie hin, wer ist an Bord, Grenzübergangsgenehmigungen, Dieselfarbe… auch nö. Das wollen wir heute mal nicht. Nach dem Dritten ist uns der Standort der „USEDOM“ klar. Also hoch westlich nach Gedser, Kadett-Rinne umschiffen, dahinter rechter Winkel rüber über den Teich. Soweit der Plan – war aber ohne Petrus gemacht. OK, der Segeltag war vom 1. Reff im Groß bis Genua 1 komplett. Steffen´s BASTARD-Cap geht baden, man-over-bord Manöver klappt gut. Irgendwann aber musste dann der Diesel-Wind angeschmissen werden. Etwa 2 h vor Warnemünde - also unter Maschine rein in den Alten Strom. Festmachen an der S.Y. „XXL“ – direkt vor der Lokalität Seehund. Aber wir haben ja unseren Stoff dabei, eigentlich brauchen wir keine Cocktailbar in 10 Meter Entfernung, aber was soll´s. Waaaas, die Cola ist alle? OK, Notfallplan greift, „TITANIA“ Jörg wird angerufen, der 20 min später mit der Lieferung am Kai steht. Also der Cola, das Fleisch hat er in der AWN Tüte im Kühlschrank gelassen. Die Party geht weiter. Ein gewisser Herr S. wird extrem zappelig bei der Vorstellung einer Salsarico Speise-Karte (es ist mittlerweile halb eins, früh morgens…), Auch Studentenkeller oder Fun werden diskutiert. Steffen lässt den Skipper raushängen: Ausgehverbot, saufen an Bord ist heute Pflicht. Wir haben morgen bis 50 Kn Wind Vorhersage (nee, eigentlich heute), da wird jeder gebraucht. Herr Nielson schläft wiederum zum Sonnenaufgang kuschelnder Weise mit dem Mastfuss ein, seine eigenen Füße aber sind auf der Koje. Natürlich in See-Stiefeln und komplettem Hochsee-Ölzeug. Ein Wunder, dass er die Rettungsweste ausgezogen hat. Wann Herr S. wieder an Bord kam ist ungewiss. Er schloss sich zu unserer ernsthaften Beunruhigung einer Gruppe junger Menschen an, die zwar über Gold-Kreditkarten verfügten (diese auch bereitwillig auf dem Kai verteilten) aber deren Business sich optisch zumindest eher zwischen jungen Frauen und weißem Puder bewegt. Herr S. wusste morgens selber nicht mehr, wo sie gemeinsam einkehrten… nur soviel, er hat gerade abwenden können, dass die Jungs mit unserer BASTARD auf Chartertörn gehen. Naja, wir haben ja alle unsere dunklen Seiten J.

 

 

28. Mai 2006, Sonntag: Die Flaggen auf der XXL wehen aus, sind aber auch in der Abdeckung ;). Hier wird der Plan geschmiedet, in einem Reff ab nach West… viel Erfolg…. Wir blicken auf den Flaggmast Warnemünde-Mole, hören das pfeifen in Mittelmole und sehen die Wellen vor dem Leuchtturm. OK: Sturmfock zur Sicherheit anschlagen (Jan und Steffen) Rest pennt. Maschine an und ab geht der Kampf nach Rostock. Gut, es ist ein Diesel-Wind Kampf, aber wenigstens einer kämpft. Das macht er gut, wenn auch hin und wieder auf der Stelle tretend J. Der Windmesser geht immer häufiger in den vierziger Bereich hoch.

In Gehlsdorf angekommen – die Crew ist an Deck versammelt, mehr oder weniger ist jeder auch bei sich… fahren wir ein unfreiwilliges man-over-bord Manöver. Das Erste gilt einem sich selbständig bewegenden Fenders und das Zweite eines Base-Caps derjenigen Person, die den Fender eigentlich bergen wollte. Der Anleger wird heikel. Das Boot ist nur direkt vor oder gegen den Wind stabil, die Maschine schafft es nicht, in Böen quer zum Wind das Boot auf Kurs zu halten. Also haben wir genau einen Versuch den Dalben zu treffen. Das es bei uns so gut passt scheint sich herum gesprochen zu haben. Dennoch staunen wir nicht schlecht, als zwei Segler auf unserem Steg sehen, wie wir den Anleger steuern, die Masten pfeifen, der Wind heult und die beiden beladen weiter seelenruhig ihre Boote. Spitzen Seemannschaft. Egal, Boot wird vom Männerwochenende klariert, danach schüttet es in Strömen. Wir verholen zum lecker Frühstück in den Turbine Clubraum. Schmidti tritt zur Weiterführung seiner Nachtruhe auf heimischem Sofa ab. Wir leiten die S.Y. UNIVERSITAS Anleger-Hilfs-Aktion ein und interviewen die in Deutschland gebliebenen, über ihre Wochenendwetter. Nach dem Dritten fragen wir so braun gebrannt lieber nicht weiter.

 

Boot abschließen, Steffen und Matthias fahren in Richtung Berlin. Wie wir später erfahren: zu diesem Zeitpunkt wird das Gedser Grillfleisch vernichtet. Sauerei. Vollsperrung der AB Berlin schon in Rostock-West, Vito-Ausweichmanöver auf die A20 und linke Spur Vollgas durch nach Berlin.

 

 

Harri Hirsch aus der Westlichen Ostsee.

 

Route: http://www.ger4854.de/download/Herrentagsrunde2006.pdf

 

 

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