Himmelfahrt
2006 > BASTARD
… startet mit einer
Diskussion in Berlin: Felix wollte mitkommen. Auf die Frage, „willst du mit segeln
gehen“ setzte eine heftig bejahende Kopfbewegung ein und ein „mmmmh“ geäußert. Nun lasse ich meinen Felix wirklich nur
ungern zuhause und zugeben, ja: er ist Miteigner und männlich. Also
prädestiniertes Crewmitglied. Nur währe er dabei gewesen, das Jugendamt
Dänemarks hätte ihn wohl vor uns weggesperrt. Nein, eigentlich ist das auch
Quatsch, wir haben eine gemütliche Männer-Runde ohne den üblichen Meilenstress
von etwa 110 sm absolviert. Und dabei keinen einzigen Tonnen-Ziel-Havana
getrunken. Das kann so gesehen auch nicht gesund sein.
Der Reihe nach:
Alles startet wieder einmal
aus meinem Blickwinkel in Berlin. Schmidti hat einen
Informatik Mathias im Schlepp, der sich dann aber doch als ein MaTThias und absolut seh- und seetauglich erwies.

Dann folgt das Übliche.
Segel setzen und ab in Richtung Warnemünde. Ein Schrei erfasst das Boot. Wir
haben unser Grillfleisch im SVTR Kühlschrank vergessen. Umdrehen. Nein. Schön
Halbwind, Sonne, Wind flaut nach dem Überseehafen ab und erste
Ausreff-Überlegungen werden formuliert. Jan und Steffen lernen aus Fehlern. Bei
Schmidti (noch immer keine Gummistiefel an den Füßen)
kann man sich da nicht so sicher sein. Wahrscheinlich ist Schmidti
ein Angeber und dachte sich: lass uns mal direkt zwischen den Molenköpfen vor
342 Anglern auf die Backe packen. Am besten, während die Fähre einläuft. Aber
schließlich sind wir ein demokratisches Schiff, lassen das Reff drin und ab
geht es korrekt getakelt auf See. Immer der Nase lang nach Gedser.
BASTARD läuft fantastisch etwas spitzer als Halbwind rüber über den Teich. Der
Himmel ist Furcht erregend duster (hinter uns) und wir fahren in einen kleinen
blauen Himmelsstreifen rein.
„N3287687365uzitr54u7i65487rehgwiresjkhfseliuewzfo7wi4zto4875643095814ourqhwzeirjfwherfsfkjdshfkesfbjdsalgis.ghsdiugerztrute97846t54387965403987543toiuew4zthwrkjefheirutawezstiuew476zte483756z4“
Hierbei handelt es sich um
einen verschlüsselten Wetterbericht unseres Wochenendes. Wir wollen niemanden,
der sein Wochenende nass in Deutschland verlebte, traurig stimmen. Oder gar
wütend auf seinen Steuermann, doch nicht mit Kurs Nord rüber gefahren zu sein.
Ich sage mal codiert nur so viel: dniW + ennoS.
Eine düstere Wolke jedoch
verfolgt uns, sie ist ein Tiefdruckgebiet unserer Gefühle. Sie trägt den Namen „Grillfleisch“.
Psychologische Betreuung wäre nötig. Aber wir haben einen Hoffnungsschimmer:
Titania – Jörg. Er hat eine aktuelle Einladung auf die BASTARD per Fähre nach Gedser. Voraussetzung ist lediglich ein kleines Mitbringsel
aus dem SVTR Kühlschrank.

Nach einem spektakulären Hesneas „fahr von
hinten rückwärts in die Box“ Anlegemanöver, positioniert sich die Crew auf
der Mole, um in Teilen ankommenden Schiffen beim Festmachen zu helfen,
hauptsächlich aber, um auf jeden Festmacher anzustoßen. Es folgte ein üppiges Hackstäbchen-Bratkartoffel-Mahl,
sonst überlebt man ja solche Anleger nicht. „Fun-Factory“
wurde an die BASTARD gebunden und überredet, die Küche kalt zu lassen. Nach dem
obligatorischen Spaziergang empfindet Schmidti, dass
der Mond heute komisch aussieht. Herr Schmidt: es ist bereits Sonnenaufgang,
egal ob Du den durch die Taucherbrille oder das Glas Havanna-Club betrachtest…
gute Nacht.

Kurz nach dem Auslaufen
folgen sich gefährlich gleichende Serien von Funkgesprächen jener Art: „Segelyacht XYZ, Segelyacht XYZ, Segelyacht XYZ,
für Zollboot USEDOM, bitte kommen…“ Wo
kommen Sie her, wo wollen Sie hin, wer ist an Bord,
Grenzübergangsgenehmigungen, Dieselfarbe… auch nö. Das wollen wir heute mal
nicht. Nach dem Dritten ist uns der Standort der „USEDOM“ klar. Also hoch westlich
nach Gedser, Kadett-Rinne umschiffen, dahinter
rechter Winkel rüber über den Teich. Soweit der Plan – war aber ohne Petrus
gemacht. OK, der Segeltag war vom 1. Reff im Groß bis Genua 1 komplett. Steffen´s BASTARD-Cap geht baden,
man-over-bord Manöver klappt gut. Irgendwann aber musste
dann der Diesel-Wind angeschmissen werden. Etwa

In Gehlsdorf
angekommen – die Crew ist an Deck versammelt, mehr oder weniger ist jeder auch
bei sich… fahren wir ein unfreiwilliges man-over-bord
Manöver. Das Erste gilt einem sich selbständig bewegenden Fenders und das
Zweite eines Base-Caps derjenigen Person, die den
Fender eigentlich bergen wollte. Der Anleger wird heikel. Das Boot ist nur
direkt vor oder gegen den Wind stabil, die Maschine schafft es nicht, in Böen quer
zum Wind das Boot auf Kurs zu halten. Also haben wir genau einen Versuch den Dalben zu treffen. Das es bei uns so gut passt scheint sich
herum gesprochen zu haben. Dennoch staunen wir nicht schlecht, als zwei Segler auf
unserem Steg sehen, wie wir den Anleger steuern, die Masten pfeifen, der Wind
heult und die beiden beladen weiter seelenruhig ihre Boote. Spitzen
Seemannschaft. Egal, Boot wird vom Männerwochenende klariert, danach schüttet
es in Strömen. Wir verholen zum lecker Frühstück in den Turbine Clubraum. Schmidti tritt zur Weiterführung seiner Nachtruhe auf
heimischem Sofa ab. Wir leiten die S.Y. UNIVERSITAS Anleger-Hilfs-Aktion ein
und interviewen die in Deutschland gebliebenen, über ihre Wochenendwetter. Nach
dem Dritten fragen wir so braun gebrannt lieber nicht weiter.
Boot abschließen, Steffen
und Matthias fahren in Richtung Berlin. Wie wir später erfahren: zu diesem
Zeitpunkt wird das Gedser Grillfleisch vernichtet.
Sauerei. Vollsperrung der AB Berlin schon in Rostock-West, Vito-Ausweichmanöver
auf die A20 und linke Spur Vollgas durch nach Berlin.
Harri Hirsch aus der
Westlichen Ostsee.
Route: http://www.ger4854.de/download/Herrentagsrunde2006.pdf